«

Okt 17 2014

IFA – Die Messe der 4K-Fernseher

Am Anfang letzten Monats war Connor Schönberner auf der Internationalen Funkausstellung, kurz IFA, in Berlin unter dem Funkturm. Auf dieser Consumermesse führen unterschiedlichste Firmen jedes Jahr ihre neusten Produkte vor. Die Bandbreite verdient ohne Zweifel den Zusatz erschlagend. Von autonomen Reinigungsrobotern zu den neusten Smartphones deckt die Messe nahezu alles ab.

IMG_20140905_125304

Eine wirkliche Obsession scheinen die Aussteller für 4K- oder Ultra-HD-Fernseher entwickelt zu haben. In meinem einen Tag auf der Messe habe ich so viele smarte, große, extra große, extra scharfe Fernseher gesehen, dass ich bei jedem weiteren Austeller mit Fernsehern nur noch seufzend weiterlief. Wirklich beeindruckend war hingegen der größte Fernseher auf der Messe von der Firma TCL, der mit seinen 110 Zoll und seiner 4K-Auflösung nicht nur für mehr als ein paar neugierige Messebesucher sorgte, sondern besonderen Fokus auf das “Fern” in Fernsehen legt. Des Weiteren wagt sich der deutsche Traditionshersteller Löwe wieder auf den Markt und will mit den 4K-Fernsehern erneut durchstarten. Allgemein betrachte ich diesen Hype der Firmen um 4K mit Skepsis: Bisher gibt es schlichtweg keine Programme oder Medien für eine solche Auflösung. Die meisten Fernsehsender senden nicht einmal in 1080p(Full HD) also einem Viertel dieser Auflösung, sondern wenn überhaupt nur in 720p. Damit ist die 4K-Unterstützung nach jetzigem Stand eher eine PR-Masche, die bei genauerer Betrachtung eher wenig praktischen Nutzen hat.

mam_213228_341810_Fancybox

Klein Shenzen

Wenn Europa nicht nach Shenzen kommt-dies ist eine der Regionen in China, an denen viel Technik produziert wird- , dann kommt Shenzen halt nach Europa. Zumindest diesen Eindruck entwickelte ich, als ich durch den wirklich großen chinesischen Pavillion schritt, in dem dichtgedrängt kleinste Stände etlicher chinesischer Firmen mit ihren Produkten standen. Die meisten dieser Aussteller waren vermutlich hier, um auf irgendeine Weise Abnehmer in Europa zu finden, was sich Dank der europäischen und deutschen Bestimmungen nicht wirklich einfach gestaltet. Rückblickend vermute ich, dass die wenigsten chinesischen Produkte, die ich dort gesehen habe, es jemals auf den europäischen, geschweige denn auf den deutschen Markt schaffen werden. Was keines Wegs an mangelnder Produktvielfalt liegen dürfte – immerhin war hier alles vom drehenden Reisgrill, Föhns und mittelklasse Rasierapparaten vertreten- , sondern an mangelndem Interesse von europäischen Investoren und möglicherweise niedrigeren Standards.

mam_213730_342960_Fancybox

Über Konsolen, Note- und Ultrabooks

Wer nun enttäuscht annimmt, dass die Ifa nur aus Fernsehern und asiatischen Startups bestand, den kann ich guten Gewissens beruhigen. Technikgiganten wie Sony, Intel,Acer und Lenovo glänzten vor allem durch unterschiedliche Note- oder Ultrabooks. Einige von diesen Geräten verbanden, wie teilweise schon üblich, Tablet und Notebook, andere hatten ein vollkommen touchfähiges Display und weitere begeistern einfach durch ihren Preis oder technische Leistungskraft. Sony zeigte zudem in einem Bereich ihre aktuelle Konsole, die Playstation 4, die sich inzwischen gegenüber dem Konkurrenzprodukt, der Xbox One, von Microsoft klar durchgesetzt hat.

Smartphones, Smartwatches, Navigationsgeräte und passende Software waren ebenfalls gut vertreten. So zeigten beispielsweise TomTom und Garmin Letztere und Samsung, Huawei und LG die ersten beiden Sparten.

mam_215640_346328_Fancybox

Bedienung von Smartphones per Hammerschlag

Überaus interessant für all jene, die Gefallen daran gefunden haben, ihre Handys durch die Gegend zu werfen, war das Produkt PanzerGlass . Ein Panzerglas kann auf Handys gesetzt werden und schützt das Display vor allerhand Stößen, Stichen oder Hammerschlägen. Der Hersteller ist so sehr überzeugt von seinem Produkt, dass sie auf dem Stand mit einem Hammer das Handy bedienten. Unkaputtbar sind Panzergläser jedoch nicht, wie einige durch zu massive Hammerschläge zerstörte Einzelstücke am Stand zeigten. Einer der Mitarbeiter versicherte mir, dass seine Kinder alle Panzergläser auf ihren Handys hätten und er daher noch nie einen Bildschirm austauschen musste, sondern bei Beschädigung immer wieder ein neues PanzerGlass auf das Handy setzt. Der Preis eines PanzerGlass liegt in den Shops, die ich bisher gefunden habe, bei etwa 25 Pounds, was etwa 31€ sind. Im Vergleich zu dem Preis eines Bildschirms ist dieser Preis mehr als aushaltbar.

In der Nähe gab es noch einen weiteren Stand der ein ähnliches Produkt vertrieb. Dieser führte die Widerstandsfähigkeit seines Glases durch eine aus der Höhe herabschnellende Metallkugel vor.

A_Comf_Wohn_Int_H

Das intelligente Eigenheim

Auf dem Stand der Firma Busch-Jaeger führte uns ein Entwickler in deren Konzept des Smart Homes ein, bei dem sich per Bildschirm auf Wunsch das gesamte Haus steuern lässt. Sei es nun auf Knopfdruck sich verschließende Fenster, das Öffnen von Türen, Regulierung von Licht, Bedienung von Jalousinen oder gar von Backöfen und Herds, die Bandbreite der Verwendung dieses Konzepts ist wirklich groß.

Um eine gewisse Sicherheit zu gewährleisten sind die Geräte in sich geschlossen und können somit nicht ohne Weiteres von außen angesteuert werden. Sie werden nicht über einen zentralen Server im Haus gesteuert und telefonieren nicht zum Entwickler. Sollte der Nutzer sie von außen ansprechen wollen, integriert dieser sie mit in sein Netzwerk, was allerdings ein Risiko birgt. Die besonders umfassenden und aufeinander abgestimmten Systeme, der Hersteller arbeitet mit Herstellern von Luxus Fernsehern und Küchengeräten zusammen, sind eher für Wohlhabendere gedacht. Da diese genrell häufiger das Ziel von Einbrüchen sind, macht ihr Smart-Home sie potentiell verwundbar. Im Fall des Worst Case könnte es passieren, dass eines Tages ein Van nahe des Hauses auftaucht und mit entsprechender Wartezeit das Netzwerk der Villa knackt, um sich dann durch ein paar Kommandos an die Smart-Home-Software Zugang zu verschaffen. An einer Stelle haben die miteinander kooperierenden Firmen mitgedacht: Herde lassen sich von außen nur ausschalten und nicht einschalten, womit nach Unfällen aussehende Herdsabotage schon einmal ausgeschlossen ist.

Technische Haushaltshelfer, Fernsehen von der Ifa und eine Drohne

Auch Haushaltsroboter waren auf der Messe zu finden, sowohl im Bereich der Staubsauger als auch Fensterputzer. Mindestens zwei Fernsehsender waren mit großen Ständen auf der IFA: ARD und NTV sind mir im Gedächtnis geblieben. Das Erste hatte Sendestudios aufgebaut und sendete unter anderem eine Kochshow von der IFA. Wirklich viele Drohnen habe ich nicht zu Gesicht bekommen, nur an die kleine Combat Drohne, wie der Hersteller sie nannte, eines chinesischen Startups kann ich mich noch erinnern. Diese ist für relativ wenig Geld zu haben, dürfte aber für den Außenflug aufgrund sehr geringen Gewichts eher nicht sonderlich geeignet sein. Sie schien mir vielmehr eine lustige Spielerei zu sein.

RZR_BWUltChroma_FrontV04

Zusatzakkus, Gamingperipherie und Kopfhörer

Eine wirklich interessante Reihe von Produkten hatte eine andere Firma zu bieten, die etliche Modelle an aufladbaren Zusatzakkus für Mobilgeräte wie Tablets, Smartphones und etc. im Repertoire hatte. Wenn unterwegs das Smartphone schlapp macht, ließe es sich durch diese ohne zusätzliche Stromquelle wieder aufladen.

Mit von der Partie waren auch ein paar Hersteller von Gaming-Peripherie wie Logitech oder Razer. Beide stellten ihre neue Peripherie für Gamer vor: Logitech führte ihre neuen Ausführungen der G-Reihe an ihrem Stand vor und ließ Interessierte diese anhand des Spiel Shootmania von Ubisoft antesten. Razer hatte unter anderem eine mechanische Tastatur mit farblich veränderbarer Beleuchtung im Programm. Zum Verständnis ein kleiner Exkurs: Wenn ihr eine Taste einer “normalen” Tastatur drückt, überbrückt sie einen Kontakt auf einer Gummimatte und der angeschlossene Computer erfährt von dem Tastenanschlag. Diese Technik hat den Nachteil, dass diese Matte mit der Zeit ausleiert und im Vergleich zu ihrem Kontrapart der mechanischen Tastatur deutlich weniger genau ist. Jede Taste einer mechanischen Tastatur hat eine eigene Mechanik, die meist federbasiert ist, der diese Aufgabe übernimmt. Diese Variante einer Tastatur ist nicht nur präziser, die Anschlagserkennungsgeschwindigkeit ist höher und der Nutzer oder die Nutzerin müssen die Tasten nicht so stark durchdrücken, sondern sind häufig auch einfacher zu individualisieren, zu warten und haben eine höhere Lebensdauer. Früher basierten alle Tastaturen auf so einer ähnlichen Basis. Allerdings sind mechanische Tastaturen nicht ohne Grund lange Zeit vom Markt eher verschwunden. Sie sind Dank der Mechanik in ihren Tasten selbst mit zusäztlicher Dämpfung immer noch deutlich lauter als normale Tastaturen. Die Tastatur von Logitech, die ich dort gesehen habe, war immer noch ungefähr doppelt so laut wie die nicht Mechanische, die daneben lag, obwohl sie schon Dämpfungsringe auf ihren Switches, den Mechaniken in den Tasten, hatte. Zudem sind mechanische Keyboards meistens deutlich teurer als vergleichbare Standardtastaturen.

Achja Kopfhörer gab es auf der Ifa ebenfalls viele. Für Musik- und Soundliebhaber gab es gewissermaßen ein paar Hotspots, an denen sich die Unternehmen mit Fokus auf Soundqualität zentrierten. Auch ein Hersteller von Plattenspielern hatte sich dazu gesellt. Wenn ihr auf der Suche nach neuen Kopfhörern seid, wäre die diesjährige Ifa eindeutig euer Fall gewesen.

mam_212170_340152_Fancybox

Fazit

Die Ifa ist wirklich groß, erschlagend groß und bietet eine Vielzahl an unterschiedlichen Produkten aus dem Consumerbereich. Daher finden sich allerdings keine Computerhardwareneuheiten in dem Sortiment. Denn diese hat meist ein anderes Publikum. Consumerprodukte sind eher fertige, nutzbare Endgeräte, wie Kopfhörer, Tastaturen, Haushaltsroboter oder Waschmaschinen. Allgemein besteht die Messe relativ wenig aus wirklichen Innovationen. Die meisten Produkte sind schon länger in der Entwicklung und bieten häufig nichts, was einen als Techniknarr komplett aus allen Wolken fallen lassen würde. Die meisten Produkte, die so weit sind, dass sie als fertiges Produkt auf der Ifa vorstellbar sind, sind schon lange vorher auf einschlägigen Seiten durch die News gegangen. Ein paar richtige Neuheiten hatten sich in der Masse der Produkte dennoch versteckt. So zeigte Samsung zusammen mit Oculus Inc eine Oculus Rift-Variante für Smartphones. Leider habe ich es geschafft diesen Produkten, ohne es zu wollen, exzellent aus dem Weg zu gehen. Womit wir wieder bei der Größe der Ifa wären.

Fotoquellen: Alle Fotos bis auf das Erste stammen aus den Sammlungen der Unternehmen für PR oder Pressezwecke. Das erste Foto wurde von mir selbst geschossen.

Connor Schönberner

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *